1. November 2012

Allerheiligen - so trüb und düster es draußen ist, so trüb und düster war das vergangene Wochenende auf der Modellbaumesse in Wien. Wobei relativiert werden muss.

Wer sich für Spielwaren aus dem RC Bereich, Fertigmodelle, kleine Plastikhubschrauber und alles was NICHT zusammengeklebt werden muss interessiert, für den war es natürlich ein Paradies. Die prall gefüllten Einkaufssäcke, die in Massen nach Hause mitgenommen wurden, bestätigten das auf eindrucksvolle Weise.

Wer sich aber mit dem wirklich klassischen Modellbau - sei es Plastik oder Karton - beschäftigt, dem wurde wieder einmal drastisch vor Augen gehalten, was die Masse der Leute interessiert. Nämlich DAS nicht.

Mit teils großer Verwunderung wurde das Entstehen eines Modells bestaunt. Die Frage nach dem verwendeten Material wurde im Minutentakt gestellt. Noch größer war das Erstaunen, dass man Papier (denn der richtige Terminus Karton war niemandem geläufig) in dreidimensionale Formen bringen kann und daraus dann etwas entsteht. Dass es sich bei meinen Modellen um Flugzeuge handelte, wurde erstaunlicherweise selten erkannt. Den richtigen Flugzeugtyp zu erkennen blieb einigen wenigen vorbehalten.

Ja, Modellbau. Anscheinend in einer schnelllebigen Zeit, in der man sich nicht einmal für einen Messebesuch wirklich Zeit nimmt, ein Hobby, dass vielen ein Mysterium bleibt. Wenige trauen es sich zu, viele haben dafür keine Zeit und fast alle haben dafür keine Geduld. 3 Grundvoraussetzungen, ohne die unser Hobby nicht im Geringsten funktioniert.

Und deshalb vermute ich, dass der Fertigmodellboom auch weiter steigen wird. Der klassische Modellbau ist aus meiner Sicht eine Randerscheinung, die nur mehr sehr wenige praktizieren. Nachwuchs ist so gut wie keiner vorhanden. Woher soll er auch kommen, wenn die Eltern den Kindern schon vorsagen, dass sie ohnehin keine Geduld dafür hätten. Seltsamerweise ist aber das Interesse bei Kindern vorhanden. Nur habe ich im Laufe der 4 Tage erfahren müssen, dass sich die Eltern für das Interesse ihrer Kinder keine Zeit nehmen.

Sehr oft war zu hören, schau da kann man den Leuten beim Bauen zuschauen. Aber ganz selten haben sie es dann gemacht. Wenige sind auch wirklich stehen geblieben. Die Meisten sind einfach weitergegangen bzw. weitergehetzt.

Ein weiteres Kriterium am Modellbau ist, dass es so gut wie keine Action gibt. Der Entstehungsprozess eines Modelles ist eben eine langwierige Angelegenheit. Nichts entsteht gleich. Und dieses Abwarten verursacht Langeweile und somit Desinteresse.

Viel leichter ist es, einen kleinen Hubschrauber zu kaufen, mit dem man auch im eigenen Zimmer herumfliegen kann. Das ist Action, nichts muss langwierig zusammengeklebt werden, alles ist sofort einsatzbereit. Und auf gehts. Teuflisch daran ist allerdings, dass dieses Spielzeug relativ teuer ist und sehr zerbrechlich. Ich behaupte schlicht, dass so ein kleinen Flugding von meiner Katze mit Leichtigkeit zerstört werden kann. Und die ist nicht gerade ein Muskelprotz. Fliegt so ein Ding durch ein Missgeschick an die Wand, kann man es getrost beerdigen. Da ist dann gleich einmal ein dreistelliger Eurobetrag in den Sand gesetzt.

Andererseits habe ich z.b. mit 100 Euro und den Modellen die ich mir dafür kaufen kann, lockerst 1 Jahr Arbeit. Wenn es reicht.

Aber in einem Jahr findet dann wieder eine Modellbaumesse statt. Da kann man dann für das zerbrochene Flugding ein neues kaufen. Angesichts der oben erwähnten Massen an Einkaufstüten muss es wohl so sein.