6. Oktober 2015

Die Entstehung eines neuen Modells - Teil 3

Wie geht es quasi in der heißen Phase (Konstruktion) weiter?

Gar nicht. Genau. Das passiert mir nämlich fast immer. Die Gründe sind wie immer mannigfaltig. Entweder geht die momentane Lust flöten, was anderes ist wichtiger oder irgendein anderes Projekt kommt dazwischen. Ich hab nämlich die Angewohnheit, mehrere Sachen gleichzeitig zu machen. Einmal interessiert mich dies, dann das, ach was, das wäre toll usw. Ich glaube, dass ich damit nicht alleine bin.

Und so verzögert sich meistens immer alles. Wobei, hab ich irgendwelchen Zeitdruck? Termine die ich einhalten muss? Steht die Modellbauerschar hinter mir und tippt mir "ooolta, wos is, moch wos weita bei dein Kraffl. mia woatn" sagend auf die Schulter? Nein. Gott sei Dank! Das wäre ja noch schöner, wenn bei meinem Hobby Stress aufkäme. Da würde ich dann wohl den imaginären Hut drauf haun.

Naja, irgendwann gehts ja dann doch weiter.

Wie in Teil 2 berichtet, steht das Grundgerüst schon. Anhand der Spanten und Ansichten (davon verwende ich nur die Umrisse) generiere ich einmal einen groben Rumpf. Meist noch recht einfach und keinesfalls abwickelbar.

Kurzer Exkurs zum Thema Abwickeln: allgemein bekannt dürfte ja sein, dass sich Papier oder Karton nur in eine Richtung formen lässt. Es geht auch in mehrere Richtung, das jedoch nur eingeschränkt und mit viel Übung. Beschränken wir uns auf eine Richtung. Rhino "denkt" ebenso, und lässt nur Flächen abwickeln, die in eine Richtung gekrümmt sind und in alle anderen gerade. Die einfachste Form die das am besten vermittelt ist ein Zylinder. Kreisförmiger Querschnitt (gekrümmte Richtung) und gerade, nicht gekrümmte Höhe.

Ein Beispiel für eine nicht abwickelbare Form ist eine Kugel. Da sind alle Richtungen gekrümmt. Deshalb - njet. Geht nicht.

Gut, soweit dürfte alles verständlich sein. Mein erster Rumpfentwurf besteht genau aus solchen nicht abwickelbaren Flächen bzw. Körpern. Meist sind sie auch noch verschieden lang und unansehnlich. Meine erste Aufgabe besteht jetzt darin, aus diesen "Dingern" gleichmäßige (in der Länge) und abwickelbare Formen zu konstruieren. Deshalb werden die Flächen mittels einer Funktion (Schnittkurven) dort virtuell geteilt, wo ich es für nötig halte. Es entstehen somit neue Spanten, die teilweise schon den endgültigen Formen, wie sie dann auf den Spantenbögen zu sehen sind, entsprechen. Gröbere Korrekturen sind meist nur im Cockpitbereich oder Heck von Nöten (warum ich gerade bei diesen Bereichen fast immer Probleme habe, dürfte auch ein ewiges Geheimnis bleiben) Bei der Saab Tonne, F-100 und MB-339 waren teilweise 10 oder mehr Änderungen notwendig, bis die endgültige Form gepasst hat. Wenn es ganz schlimm wird, werfe ich alles Bisherige in den virtuellen Mistkübel. Den ersten Entwurf der F-100 hab ich auf diese Art entsorgt. War zugegebenermaßen etwas radikal.

Wenn der Rumpf fertig ist, kommen alle anderen Komponenten an die Reihe. Je nach Lust und Laune mach ich einmal dies oder das....

... und dies oder das ist dann Thema des nächsten Beitrages.