1. März 2016

Die Entstehung eines neuen Modells - Teil 6

Wahrscheinlich habt ihr euch schon gewundert, warum ich mitten in der Entstehung eines neuen Modells plötzlich nicht mehr weiterschreibe. Die Erklärung ist ganz einfach - weil ich solche Pausen auch im "realen" Konstruktionsvorgang habe. Da geht einfach nix weiter, ich hab keinen Geist, der Kopf braucht anderwärtige Beschäftigung usw.

Ok, aber wenn das Werkl wieder läuft, dann werden die im Rhino abgewickelten Teile nach Corel Draw exportiert. Meist im ai Format. Dabei schau ich schon, dass ich die Teile endgültig auf den Seiten platziere. Ein wenig Spielraum für die Nummerierung oder später hinzugefügte Teile muss ich dabei allerdings berücksichtigen. Eine spätere Umgruppierung ist meist lästig und sehr aufwändig, weil ich auch in Corel Draw mit verschiedenen Zeichnungsebenen arbeite. Umrandung, Panellinien, Abzeichen, Farben, Tarnanstrich (oder generell der Anstrich), Nummerierung bilden jeweils eine eigene Ebene. Dabei ist natürlich die Reihenfolge zu beachten. Details oder Panellinien sind immer über den Anstrich zu legen. Die Umrandung ist ganz zu oberst.

Yo, wenn die Teile importiert sind werden die Umrandungen und Panellinien entsprechend der Ebenen aufgeteilt. Markierungen für den Anstrich, Details kommen auf Hilfsebenen. Dann wird zuerst der Anstrich gezeichnet. einfarbige Modelle sind nonaned am leichtesten. Aufwändige Sonderlackierungen wie z.B. bei der MB-339 der Frecce Tricolori/Al Fursan oder der Bunte Fredi (Pilatus PC-6) erfordern schon große Konzentration und vor allen sehr viel Zeit. Dabei muss ich seeeeehr genau auf die Farbübergänge bei den einzelnen Teilen achten. Abweichungen sollten so gut wie nicht vorkommen (versteht sich aber von selbst). Parallel dazu werden schon die Laschen entsprechend eingefärbt. Ist das erledigt, kommen Markierungen, Hoheitsabzeichen, Wartungshinweise usw. dran. Diese vielfach sehr kleinen Details mögen zwar einfach ausschauen, sind aber genauso aufwändig zu zeichnen. Besonders umfangreich sind die Cockpitinstrumente. Dabei verwende ich aber bereits bestehende Zeichnungen aus anderen Modellen. Ob die jetzt 100% passen oder nicht, ist im Grunde egal, weil man sie kaum sieht. Oder hat sich wirklich schon jemand die Mühe gemacht, sie genau anzuschaun? Ihr würdet euch wundern :-)


Was ich ebenfalls bei jedem meiner Modelle "einbaue" ist ein ganz spezielles "Gimmick". Irgendein Detail, das ich je nach Lust und Laune platziere. Namen, ordinäre Schmierereien, Texte von Liedern, Bilder.... leider weiß ich selber nicht mehr genau, was ich alles wo "hinterlassen" habe. Spontan fällt mir nur ein, dass die Leitwerkbuchstaben der F-100 die Initialen einer guten Freundin von mir sind und die zufällig wirklich verwendet wurden und der Namen meiner Ex-Freundin im Cockpit des Draken. Ein Foto meiner Schwester hängt im Cockpit der MB-339 und ich glaube bei der F-101 sind an den Kopfstützen der Sitze Texte von Bolt Thrower (eine meiner Lieblingsmusikgruppen) drauf. Die anderen Sachen muss ich wohl oder übel einmal nachschaun :-)

Ok, wenn die Farben aufgetragen sind, kommt die für mich jene Arbeit, mit der ich am wenigsten Freude habe. Die Erstellung der Skizzen für die Bauanleitung. Dabei verwende ich eine ausgesprochen geniale Funktion von Rhino, die aus der 3 dimensionalen Zeichnung "normale" Zeichnungen anfertigen kann. Einfach den Blickwinkel einstellen, Taste drücken und fertig ist die Schrägansicht. Alles nach Corel Draw exportiert und paaaaaasst.

Halt! So einfach ist es nicht. Viele Linien sind dabei oft doppelt oder mehrfach vorhanden. Ebenso gibt es Linien, die nicht gebraucht werden oder die, wenn man sich die fertige Zeichnung vorstellt, unsichtbar sind. Das klingt jetzt verwirrend und ... das ist es auch. Ok, irgendwann sind auch die Skizzen fertig und somit wird alles nummeriert, wobei ich immer mit dem Rumpf beginne. 

Ja, und wenn alles fertig ist, kommt die Erkenntnis, dass ein Teil fehlt oder nicht gebraucht wird....

.... dann darf ich alles neu nummerieren oder irgendwie so hinbiegen, dass sich keine gröberen Änderungen ergeben. Ihr könnt solche Änderungen daran erkennen, dass plötzlich Teile mit dem Zusatz "a", "b", "c" auftauchen. 

Damit wäre das Modell fertig und wird erstmalig zu meinen Freund und großen Mentor Rainer von IPMS Österreich geschickt, der mich dann anruft :-)

Was das bedeutet, wird im nächsten Teil erzählt.....